Jahrgang 10 auf Spurensuche in Kassel
Wie hat sich der Nationalsozialismus in Kassel bemerkbar gemacht? Welche Spuren dieser Zeit sind bis heute sichtbar? Und wie veränderte der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg das Stadtbild? Diesen Fragen ging der Jahrgang 10 bei einer historischen Exkursion nach Kassel auf den Grund.
Im Rahmen einer zweistündigen Führung durch das Stadtmuseum und die Kasseler Innenstadt beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der NS-Zeit und dem anschließenden Wiederaufbau. Nach einer Einführung im Museum ging es hinaus zu historischen Schauplätzen, an denen die Vergangenheit unmittelbar greifbar wurde und die Veränderungen des Stadtbildes sichtbar wurden.
Eine Station war der Aschrottbrunnen am Rathaus, der 1939 von Nationalsozialisten zerstört wurde und heute als Mahnmal an die antisemitische Verfolgung erinnert. Auch die ehemaligen Bürgersäle, in deren Kellerräumen politische Gegner des NS-Regimes misshandelt wurden, gehörten zum Rundgang. Am Friedrichsplatz erfuhren die Jugendlichen, dass hier am 19. Mai 1933 zahlreiche Bücher öffentlich verbrannt wurden, deren Autorinnen und Autoren nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten – darunter auch Erich Kästner. Orte, die den Schülerinnen und Schülern heute als selbstverständlicher Teil der Innenstadt begegnen, erhielten durch ihre Geschichte plötzlich eine ganz andere Bedeutung.
Den Abschluss bildete das „Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“ auf der Treppenstraße. Das Kunstwerk des Künstlers Olu Oguibe erinnert an Flucht und Verfolgung und regt zum Nachdenken über Menschlichkeit und Toleranz an.
Die Exkursion bot den Schülerinnen und Schülern eindrucksvolle Einblicke in die regionale Geschichte und zeigte, dass die Spuren der Vergangenheit oft näher liegen, als man denkt. Zugleich regte der Rundgang dazu an, über Ausgrenzung, Verfolgung und die Bedeutung demokratischer Werte nachzudenken – Themen, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.



