Gegen das Vergessen: Studienfahrt nach Auschwitz
33 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10 der Erich Kästner Schule haben gemeinsam mit den begleitenden Lehrkräften Markus Kaufmann, Tanja Kunzmann und Anita Moor sowie in Kooperation mit Tom Gudella von der Kommunalen Bildungsplanung Baunatal eine mehrtägige Studienfahrt nach Auschwitz unternommen. Finanziell gefördert wird dies von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, der Sanddorf Stiftung und der Axel Springer Stiftung, welchen ein großer Dank gebührt. Diese Reise führte an einen Ort, an dem die Geschichte nicht vergangen ist, sondern in Baracken, Stacheldraht, Ruinen und Namen weiterlebt.
Die Gruppe brach am frühen Samstagmorgen in Baunatal auf und erreichte am Abend Oświęcim. Schon bald nach der Ankunft in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte folgte eine Einführung, der Film über die Befreiung von Auschwitz mit eindrücklichen Originalaufnahmen und eine erste gemeinsame Reflexion.
Am Sonntag stand der Besuch des Stammlagers Auschwitz I auf dem Programm. Vier Stunden lang setzte sich die Gruppe mit dem Ort auseinander, der zum Symbol für den industrialisierten Massenmord der Nationalsozialisten geworden ist. Die Jugendlichen sahen die erhaltenen Gebäude, die Ausstellungen, die Zeugnisse des Terrors.
Am Nachmittag wurde das Programm geteilt. Ein Teil der Gruppe erhielt eine Einführung in die Geschichte und pädagogische Arbeit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte und nahm an einer Stadtführung durch Oświęcim teil. Der andere Teil besuchte das Kloster Harmeze mit der Ausstellung von Marian Kołodziej. Dort wird nicht erklärt, dort wird verdichtet. Die Kunst dieses Auschwitz-Überlebenden macht sichtbar, was sich in Zahlen und Daten kaum fassen lässt: Entwürdigung, Angst, Schmerz, Verlust.
Der Montag führte die Gruppe nach Auschwitz II-Birkenau. Wieder vier Stunden, wieder ein anderer Eindruck. Birkenau ist weiter, offener, größer. Gerade das macht das Grauen greifbar. Die Rampe, die Reste der Krematorien, die endlosen Reihen der Baracken: Hier zeigt sich die Dimension des Verbrechens.
Auch an diesem Tag wurden die Gruppen am Nachmittag geteilt und das Programm des vorigen Nachmittags in neuer Besetzung wiederholt.
Am Dienstag weitete sich der Blick. Nach dem Frühstück besuchte die Gruppe die Ausstellung „Gerhard Richter Birkenau“. Anschließend fuhr sie nach Krakau. Dort standen eine Führung durch das jüdische Viertel und die eigenständige Erkundung der Stadt in Kleingruppen auf dem Programm. Das war ein wichtiger Kontrast: erst der Blick auf Vernichtung, dann auf das jüdische Leben, auf Geschichte, Kultur und Gegenwart. Erinnerung an die Shoah heißt eben nicht nur, den Tod zu betrachten. Sie heißt auch, das Leben zu sehen, das vernichtet werden sollte.
Am Mittwoch endete die Fahrt mit einer Gedenkfeier an der sogenannten Judenrampe. Dort kam das Programm zu seinem stillsten Punkt. Keine große Geste, keine schnelle Botschaft. Eher das Gegenteil: innehalten, erinnern, aushalten. Danach trat die Gruppe die Rückreise nach Baunatal an.
Was bleibt, ist mehr als eine Erinnerung an einige Tage in Polen. Es bleibt die Einsicht, dass Menschenwürde nicht abstrakt ist. Sie kann verletzt, zerstört, verteidigt werden. Auschwitz zeigt, wohin Menschenverachtung führt. Gerade deshalb gehört dieser Ort in die Bildungsarbeit mit jungen Menschen. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
