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2014

Gegen das Vergessen

Studienfahrt nach Oswiecim/Auschwitz – 28. März bis 3. April 2014

Samstag, 29. März 2014 – Vormittag – Stammlager Auschwitz

Im Stammlager

Im Stammlager Auschwitz

Wir gehen durch das bekannte Tor mit dem Schild ,,Arbeit macht frei“. Wir hören von grausamen Ereignissen, die unvorstellbar sind

  • 1,5 Millionen Menschen wurden ermordet.
  • In der Vitrine liegen 80.000 Paar Schuhe, jedes Paar ein Mensch.
  • Von 700 geborenen Kindern in Auschwitz überlebten 68. In der Regel kamen schwangere Frauen sofort ins Gas.
  • Ca. 230.000 Kinder wurden nach Auschwitz deportiert, davon überlebten nur 700.
  • Unsere ganze Schule wäre in einer einzigen Baracke untergebracht gewesen.
  • Eine Frau wog bei ihrer Ankunft in Auschwitz 75 kg, 5 Monate nach der Befreiung, trotz guter Ernährung, 25 kg.
  • An der Todeswand wurden bis zu 4.000 Menschen erschossen.
  • Block 11: Für einen geflohenen Häftling kamen 10 Menschen in die Hungerzelle, unter anderem der in Polen hoch verehrte Maximilian Kolbe.

Der Alltag der Häftlinge:

  • um 5:30 Uhr war die Nacht zu Ende, eine Schüssel schlechten Kaffee zum Frühstück, mittags eine fleischlose Suppe aus Gemüseabfällen, einmal im Monat hatten die Häftlinge  Möglichkeit, sich zu waschen, sechs Kilometer Fußmarsch zur Arbeitsstelle, wer nicht gehorchte, wurde erschossen.
  • In der neuen israelischen Ausstellung sahen wir ein Buch mit den Namen von 400.000 Ermordeten. Ich, Nadja, finde auch Opfer mit meinem Nachnamen Kurek. Das fühlt sich merkwürdig an.
  • Manche Dinge können wir kaum glauben. Zum Beispiel, dass unschuldige Kinder für Experimente vieler Ärzte leiden mussten. Besonders die Experimente von Josef Mengele waren für uns schockierend. Die Köpfe von Zwillingen wurden aneinandergenäht. Ebenso wurden Kinder mit Lepra infiziert. Es ist schrecklich, sich die Bilder der hilflosen Kinder anzuschauen. Wie konnten Menschen zu so etwas fähig sein?

Nadja Kurek und Emilia Galkin

 

Samstag, 29. März 2014 – Nachmittag – Besuch der Ausstellung „Gedächtnis-labyrinth“ des Künstlers Marian Kolodziej im Kloster Harmeze

Der Künstler Marian Koldziej war Gefangener in Auschwitz (Häftlingsnummer 432). Er hielt seine schrecklichen Erfahrungen in Bildern fest. Diese malte er im hohen Alter von über 70 Jahren nach einem Schlaganfall.

Das erste Bild, das wir betrachteten, zeigt die erste Einlieferung ins KZ am 14.

Ausstellung

Ausstellung Gedächtnislabrinth

Juni 1940.  Das Besondere an diesem Bild ist, dass die Glasscheibe darüber mit Absicht zerschlagen ist. Damit wollte der Künstler die Zerstörung der Welt symbolisieren.

Das nächste Bild, das uns sehr beeindruckte, ähnelte einer Uhr, in der statt Ziffern Gesichter des Künstlers zu sehen sind. Die einzelnen Zeitabschnitte der Uhr zeigen die Veränderungen seines Aussehens. Das Gesicht magerte immer mehr ab.

Wir sahen riesige Bilderwände mit vielen abgemagerten Menschen, Kapos, die andere schlagen und Menschen, die um Essen betteln. Die Bilder sind schockierend. Der Maler zeigte aber auch in einigen Bildern, wie sich Häftlinge liebevoll um andere kümmern.

Die Worte des Künstlers „Dies ist keine Ausstellung – weder Kunst, noch Bilder, sondern Worte, die in einer Zeichnung verschlossen sind“ werden noch lange in unserem Gedächtnis bleiben.

Unserer Meinung nach ist diese Ausstellung sehr interessant und sehenswert. Jedes einzelne Bild enthält viele Informationen über die schrecklichen Gräueltaten in Auschwitz. Sie haben eine besondere Wirkung, weil sie von einem Künstler, der selbst in Auschwitz inhaftiert war, gezeichnet wurde.

Angelika Miller und Marina Hattwich

 

Sonntag, 30. März 2014 – Außenlager-Birkenau

Außenlager

Im Außenlager Birkenau

Der Blick vom Wachtturm: Das Gelände ist riesengroß. Die vielen Schornsteine zeigen, wie viele Baracken es gab. Baracken voller Menschen. Es gab Zeiten, in denen sich bis zu 100.000 Menschen im Lager befanden. Wir gehen den Weg durch das Lager, den die Häftlinge gegangen sind. Unsere beiden Guides, zwei Lehrerinnen des Konarsky-Lyceums, das wir am Montag besuchen werden, begleiten uns.

Wir stehen an der Rampe. Im strahlenden Sonnenlicht sieht es fast idyllisch aus. Es ist schwer, sich vorzustellen, was sich dort ereignet hat: Schreie, Gedränge, Schläge, Schüsse, verzweifeltes Rufen nach Angehörigen, Trennung von Eltern und Kindern, Berge von Kleidung und Koffern, die sofort abgegeben werden mussten, der Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft.

Auschwitz-Birkenau ist ein Friedhof. Wir stehen vor den Ascheseen, auf dem rote Rosen schwimmen: Zeichen, dass die Opfer nicht vergessen werden dürfen und dass  so etwas nie wieder geschieht.

N.N.

 

Montag, 31.03.2014 – Zeitzeugengespräch mit Herrn Ignacy Krasnokucki

Zeitzeuge

Zeitzeuge Ignacy Arthur Krasnokucki

Herr Krasnokucki ist 89 Jahre alt. Seine Familie bestand aus fünf Personen, ihm, seinen Eltern und seinen zwei Brüdern, die sich nach der Besetzung Polens durch die Deutschen nach Russland absetzten. Mit vierzehn Jahren wurde er mit seinen Eltern ins Getto von Lodz gebracht, wo sein Vater sehr bald spurlos verschwand. Nach der Ausgangssperre, die acht Tage dauerte, hatten seine Mutter und er jede Hoffnung verloren, doch sie hatten ein einziges Ziel, nämlich nicht zu sterben. Als die Mutter starb, ließen seine Freunde unseren Zeitzeugen nicht aus den Augen, um ihn zu beschützen. Sie hatten Angst, er würde Selbstmord begehen.

Herr Krasnokucki erzählte uns von seinen ständigen Albträumen, in denen er bis heute hilflos zusehen muss, wie seine Mutter in seinen Armen stirbt. Auch Bilder, in denen SS-Männer Müttern ihre Säuglinge aus den Armen reißen, um sie grausam zu töten, verfolgen ihn bis heute.

1944 wurde Krasnokucki zunächst ins Arbeitslager Czestochowa deportiert. Seine Ausbildung zum Elektriker half ihm sowohl im Getto als auch im Lager zu überleben, da seine Arbeit gebraucht wurde. Tricks halfen ihm, für sich und seine Freunde Essen zu beschaffen. Im April 1945 gelang ihm während des Todesmarsches die Flucht durch die Kanalisation. Herr Krasnokucki schilderte uns, wie er und ein weiterer Flüchtling stundenlang in der Kloake ausharren mussten, bis sie wieder an die Oberfläche konnten.

Herr Kasnokucki wirkte sehr traurig und an seinem Gesichtsausdruck konnte man auch sehen, dass es ihm sehr schwer fiel, über dieses Thema zu sprechen.

Es war sehr interessant und spannend dieses Geschehen aus der Perspektive von jemandem zu hören, der diese schlimme Zeit miterlebt hat. Er erzählte aber auch von Erfahrungen, die Mut machten, z.B. von der engen Gemeinschaft mit seinen Freunden.

Denise Writzel und Tim Groß

Gruppenbild

Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10 in der internationalen Begegnungsstätte